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Die Alternative
einer Heimhämodialyse, möchten wir durch einen persönlichen Erfahrungsbericht vorstellen.
Heimhämodialysen sind denkbar, wenn bestimmte medizinische Voraussetzungen erfüllt sind: medizinische, die der Arzt benennt und soziale, wie z.B. der Umgang mit der Dialyse zu Hause innerhalb der Familie.
Viele Dialysepatienten und deren Angehörige halten aufgrund ihrer Erfahrungen die Heimdialyse für vorteilhaft, wie Vorteile in der Lebensqualität und in der Kostenbelastung. Doch weniger als zehn Prozent Dialysepatienten in Deutschland, behandeln sich zu Hause. Ein wesentlicher Grund liegt darin, dass ein Teil der Ärzte und Pflegenden keine oder nur wenige Erfahrungen mit der Heimbehandlung besitzen.
Vor- und Nachteile eine Heim-Hämodialyse
Mehr Freizeit, da man die Dialysezeit in der Regel selbst bestimmen kann.
Unabhängigkeit von Zentrumszeiten.
Weitere Berufstätigkeit, da man nun abends oder nachts dialysieren kann
Vertraute Umgebung, keine Krankenhausatmosphäre.
Eigenverantwortlichkeit, somit mehr Sicherheit.
Weniger Shuntprobleme, da immer der gleiche Partner punktiert (oder auch selbst punktiert).
Mehr Lebensqualität.
Wenn man mal über die Stränge schlägt (Essen oder Trinken), kann man eine Dialyse zusätzlich durchführen.
Keine Fahrtkosten.
Höhere Lebenserwartung, da auch weniger Komplikationen zu erwarten sind.
Von der PD zur HD
Martina Wallin
Im Dezember 2002 begann sich die Effektivität meiner geliebten Bauchfelldialyse zu verschlechtern. Zunächst kaum spürbar durch einen erheblichen Anstieg des Blutdrucks, der auch mittels entsprechenden Medikamenten kaum in den Griff zu bekommen war. Kurz später stellten sich Entwässerungsprobleme und eine deutliche Verschlechterung der Werte ein, welche mit einer erheblichen Minderung der Lebensqualität einher ging. Auch wenn ich es noch so sehr verdrängen wollte - der Wechsel zu Hämodialyse war unvermeidbar
Wohl oder Übel, ich musste den Tatsachen ins Auge blicken. Also entschloss ich mich zur Flucht nach vorn
und ließ mir im Mai 2003 meinen Shunt legen.
Im August 2003 war es dann so weit, meine erste Hämodialyse im RVK Berlin stand an. Na und wie das oft im Leben so ist, das erste Mal empfand ich als persönliche Katastrophe. Dies lag weniger an den anfänglich vorkommenden Fehlpunktionen und der fehlenden Heparingabe – sondern vielmehr an dem völligen Verlust meiner Selbstbestimmung, nach fünf Jahren selbstständiger Bauchfelldialyse. Und weil es „so schön war“, lief auch noch die zweite schief.
Ab der dritten Dialyse, welche dann in Gemeinschaftspraxis Dr. Brauner / Dr. Cleef durchgeführt wurde, wandte sich schlagartig alles zum Positiven. Von nun an ging es wieder aufwärts! Hier stimmte die einerseits die medizinische Versorgung und die menschliche Komponente kam auch nicht zu kurz.
Ins geheim hatte ich schon sehr früh mit der Heimhämodialyse geliebäugelt. Trotz einer sehr harmonischen Beziehung zu meinem Mann, plagten mich doch Zweifel. Kann man von einen anderen Menschen erwarten, dass er zusätzlich zu seinem Beruf noch eine ehrenamtliche ½-Tagsstelle (20 Std. / Woche) antritt? Mir fiel ein dicker Stein vom Herzen, als mein Mann André ganz selbstverständlich sagte: „Na logisch machen wir die HHD!!!“.
Das HHD Training gliederte sich einerseits in das maschinenseitige Training. Gleich Anfang Oktober besuchten wir einen technischen Kurs - eigentlich Pflegepersonal konzipiert- direkt bei Nikkiso in Hamburg. Vertieft wurde das gelernte ausführlich während der Dialysen in der Praxis.
Wir konnten mehrere Maschinentypen testen. Zum einen die Dialysemaschinen von Nikkiso und Gambro in der Praxis, zum anderen in Gastdialysen die von Braun und Fresenius. Letztendlich verloren wir unser Herz an die Nikkiso Maschine – es war halt Liebe auf den ersten Blick.
Das zentrale Thema beim körperseitigen Training war, neben dem Krisenmanagement die Selbstpunktion. Nachdem ich mit meinem „inneren Schweinehund“ ausgiebig diskutiert hatte – war es dann soweit, und es klappte! Vor Stolz gleich 10 cm größer geworden, fand ich Gefallen am Punktieren. Es mag etwas befremdlich klingen, aber letztendlich ist man der beste Experten bei seinem eigenen Shunt.
Nachdem im Dialysezimmer alle technischen Vorbereitungen getroffen waren, wie z.B. die Elektroinstallation (FI - Schutzschalter) und Wasserinstallation (Zu – und Abwasser) wurde auch die Dialysemaschine, Dialysestuhl, Dialysetisch und die Osmose angeliefert. Nachdem Herr Kunzendorf (Techniker der Praxis) die Installation für voll funktionsfähig befand – ging es los.
Bei der ersten Dialyse waren sowohl Herr Dr. Brauner, als auch unser Pfleger Herr Andreas Schroeder dabei. Als besonderes positiv empfand ich, das sanfte Entgleiten in die HHD. Mit sehr viel Fürsorge, welche man ihn auf den ersten Blick gar nicht zutrauet, begleitete uns „unser“ Pfleger Andreas die ersten 14 Tage zu Hause, wobei wir die Freiheit hatten die Termine vorzugeben – auch wenn dass für ihn mit Wochendiensten verbunden war. Herzlichen Dank noch mal dafür!!!
Heute dialysieren wir in der Regel jeden zweiten Tag jeweils zwischen 4 –5 Stunden.
Zwischenbilanz nach 3 Monaten HHD
Nach drei Monaten HHD haben sich für mich im Wesentlichen zwei Dinge sehr zum Positiven geändert.
Zum einen hat sich mein Lebensqualität sehr verbessert. Meine körperliche Leistungsfähigkeit ist so gut, dass ich jetzt in der Lage bin regelmäßig Sport zu treiben. Radfahren, Fitness, Schwimmen und sogar Badminton spielen, wo die temporäre körperliche Belastung sehr hoch ist, ist kein Problem mehr. Meine Diät ist jetzt weniger streng, was ich als Wohltat empfinde, denkt man an Trinkmenge und Kaliumdiät. Ganz nebenbei haben sich auch meine Werte verbessert, so dass einige Medikamente reduziert oder abgesetzt werden konnten.
Zum anderen kann ich jetzt wieder ein selbstbestimmtes Leben führen. Ich kann die Dialyse individuell in mein Leben integrieren – und nicht umgekehrt.
Für Fragen stehe ich selbstverständlich auch weiterhin sehr gerne zur Verfügung.
Liebe Grüße Martina Wallin
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